Energieeinspeisegesetz & Repowering: 3,3 Megawatt für Uhlhorn

Das novellierte Energieeinspeisegesetz führte zur Beschleunigung des Repowering-Projekts im Windpark Uhlhorn – ein Ortsteil der Gemeinde Dötlingen im niedersächsischen Landkreis Oldenburg im Naturpark Wildeshauser Geest, wo die Windenergieanlagen durch moderne Turbinen ersetzt werden.

Novelliertes Energieeinspeisegesetz beschleunigt Repowering-Projekt

Bereits seit 2001 sind die drei Landwirte Werner Kläner, Dieter Osterloh und Heinrich Ahlers gemeinsam gleichberechtigte Gesellschafter der Windkraft Speyer Verwaltungs GmbH. Sie betreiben auf ihren Landflächen drei Windenergieanlagen (WEA) der Modells „Vestas V 80“. Da diese Turbinen seit fast 17 Jahren im Betrieb sind, war die Zeit gekommen, sich Gedanken über die Zukunft des Windparks zu machen, denn nach 20 Jahren ist die Frist vorbei, in der die Landwirte mit einem garantierten Einspeiseerlös kalkulieren können. Gleichzeitig tritt das neue Energieeinspeisegesetz (EEG) in Kraft. Die Gesetzesnovelle bestimmt, das neue Windkraftanlagen nur nach einem Bieterverfahren genehmigt werden.

Die drei Gesellschafter beschäftigten sich bereits seit 2014 mit Konzepten einer Modernisierung der Anlagen. Diese strategische Planung zahlte sich aus, denn so gelang es, Ende 2016 die Genehmigung für die Durchführung eines Repowering-Projekts zu erwirken. Die Zeit war knapp, aber der Plan ging auf, und die Windkraft Speyer Verwaltungs GmbH kann die Windkraftanlagen durch innovative neue Turbinen ersetzen, ohne vorher das langwierige Bieterverfahren durchlaufen zu müssen. Jetzt können die Landwirte wieder langfristig kalkulieren, denn für weitere 20 Jahre ist eine Planungssicherheit garantiert.

Durchführung des Repowering-Projekts

Damit die Genehmigung des Projekts noch zu den Bedingungen des gültigen EEG möglich war, musste unbedingt verhindert werden, dass zu viel Zeit mit der Planung vergeht und bereits das neue Energieeinspeisegesetz in Kraft getreten ist. Da dies gelungen ist, fiel im August 2017 der Startschuss für die Umsetzung des Repowering-Projekts in Ulhorn.

Repowering maximiert den Ertrag von Windparks

Windenergie ist unbestritten eine der wichtigsten Säulen, wenn es darum geht, die Ziele der Energiewende zu erreichen. Wind ist eine natürlich Ressource, die unbegrenzt zur Verfügung steht und außerdem mit modernster Technik sehr effizient in elektrischen Strom umgewandelt werden kann. Neben der Solarenergie gehört die Windenergie damit zu den Energiequellen, die in Zukunft den Strombedarf Deutschlands zu einem großen Teil decken sollen.

Es herrscht ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass es sinnvoll ist, die Atomkraftwerke mittelfristig vom Netz zu nehmen und Kohlekraftwerke sind im Hinblick auf die Problematik der Klimaveränderung ebenfalls keine zukunftsfähige Alternative. Auch Deutschland hat sich beim gemeinsamen Klimaschutzabkommen 2015 in Paris zusammen mit 196 anderen Ländern dazu verpflichtet, die nötigen Bedingungen zu schaffen, damit ab 2050 die Wirtschaft klimaneutral agiert. Gelingt dies, könnte ein drastischer Anstieg der globalen Temperatur begrenzt werden. Ziel ist das Eindämmen der maximalen Erderwärmung auf ein bis zwei Grad Celsius.

Damit dieses Ziel realistisch bleibt, muss in Zukunft noch mehr auf regenerative Energien gesetzt werden und in Deutschland steht dabei die Windenergie an erster Stelle. Aus diesem Grund bemühen sich die Bundesländer, neue Windparks aufzubauen. Vielerorts stoßen diese Pläne jedoch auf Ablehnung von Seiten der Bevölkerung, die nicht damit einverstanden ist, das weite Landschaftsteile für neue Windanlagen zur Verfügung gestellt werden. Hier greift das Konzept des Repowering. Dabei werden Windanlagen der ersten Generation durch moderne Turbinen, die mit neuester digitaler Technologie ausgestattet sind, substituiert.

Repowering-Projekte: das BIG WHY

Repowering ist nicht erst mit dem Energieeinspeisegesetz für den wirtschaftlich wie nachhaltig denkenden Betreiber eine Notwendigkeit. Bestehende Windparks können gebündelt und Bestandsflächen teils erhalten werden. Digitale Technik, welche ein verbessertes Monitoring und eine feinere Steuerung zulässt wird damit oft auch verfügbar. (#1)

Repowering ist nicht erst mit dem Energieeinspeisegesetz für den wirtschaftlich wie nachhaltig denkenden Betreiber eine Notwendigkeit. Bestehende Windparks können gebündelt und Bestandsflächen teils erhalten werden. Digitale Technik, welche ein verbessertes Monitoring und eine feinere Steuerung zulässt wird damit oft auch verfügbar. (#1)

Die Demontage einer technisch überholten Windenergieanlage bietet den Betreibern und auch der Gesellschaft viele Vorteile:

  • Erreichung eines bis zu 200 Prozent höheren Wirkungsgrads
  • neue Windenergieanlage verringert die Lärmimmissionen erheblich
  • nur zehn bis 20 statt 50 bis 60 Umdrehungen pro Minute erforderlich
  • keine Notwendigkeit der Ausweisung neuer Flächen
  • Möglichkeit der Bündelung von Windkraftanlagen
  • Einhaltung größerer Abstände zu Wohngebieten bei Festlegung neuer Standorte
  • moderne WEA sind besser ins Stromnetz integrierbar
  • innovative Windenergieanlagen sind mit digitaler Technik ausgestattet

Mit den Repowering-Vorhaben können somit die Befürchtungen der Menschen entkräftet werden, dass immer mehr Windkraftanlagen die Landschaft dominieren und die Lärmbelästigung ebenfalls immer weiter ansteigt. Mit weniger Turbinen wird wesentlich mehr Strom erzeugt.

Repowering-Projekt Uhlhorn tritt in entscheidende Phase

Nachdem im August vergangenen Jahres die Zufahrtswege vorbereitet und anschließend 120 Pfähle zur Sicherung der neuen WEA in den Boden gerammt wurden, geht es nun konkret an die Demontage der alten Windkraftanlagen. Parallel dazu werden bereits die neuen Turbinen aufgestellt. Bei diesen Anlagen handelt es sich um V 126, ebenfalls Modelle des dänischen Herstellers Vesta. Diese Windenergieanlagen verfügen jeweils über eine Rotorfläche von 12.500 Quadratmetern und erzielen 3,3 Megawatt Leistung. Ihre Vorgänger erreichten maximal 2 Megawatt. Die wahrscheinliche Nutzungsdauer beträgt 25 Jahre und auch die demontierten, völlig funktionsfähigen Turbinen werden keinesfalls verschrottet, sondern verkauft.

Das neue Energieeinspeisegesetz hat sicherlich das Vorhaben beschleunigt und dazu geführt, dass die Windkraft Speyer Verwaltungs GmbH ihr Vorhaben forciert hat. Bereits am 29. März 2018 geht der Windpark in Betrieb. Mit der Montage der drei neuen Windenergieanlagen wurde hier ein wichtiger Schritt in die Zukunft gemacht, denn die neuen Turbinen leisten mehr, erzeugen dabei jedoch weniger Lärm und fügen sich aufgrund der reduzierten Umdrehungen pro Minute auch optisch besser ins Landschaftsbild ein.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Soonthorn Wongsaita, #1 prochasson frederic

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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