Google + Windkraftanlagen: ein energievolles Duo

Astro Teller erklärte schon 2015 auf der SXSW in Texas, dass Google Windkraftanlagen bauen wird. Natürlich muss eine Windkraftanlage von Google etwas Besonderes aufweisen. In diesem Fall ist es eine ungewöhnliche Eigenschaft der Windkraftanlage: Sie kann fliegen.

Wieso Google Windkraftanlagen entwickelt: Die Makani-Story

Die South by Southwest in Austin / Texas hat als Kreativfestival stets mit einigen Sonderheiten aufzuwarten. Im Jahr 2015 war es unter anderem die Neuigkeit des Leiters der Google Forschungslabors „Google X Labs“. Das windige Baby hat auch einen Namen. Die Windkraftanlage hört auf den magischen Namen „Makani“. „Makani“ ist das hawaiianische Wort für „Wind“.

Google erwarb das damalige Startup, die kalifornische Firma Makani Power im Mai 2013 für einen nicht genannten Betrag. Der Entwickler von fliegenden Windturbinen Makani Power war schon damals kein unbeschriebenes Blatt von Google. Schon öfters gab es Finanzspritzen von Google.

Just zu dem Zeitpunkt, da der Wing 7-Prototyp von Makani Power zum ersten Mal voll autonom durch die Luft flog, übernahm Google das kalifornische Unternehmen. Damals anerkannte die Presse, dass die sogenannte „Airborne Wind Turbine“ (AWT) gegenüber konventionellen Windkraftanlagen etwa 90 Prozent an Material einspart. Darüber hinaus nutzt die Airborne Wind Turbine die wesentlich stabileren und kräftigeren Winde in größeren Höhen.

Das nachfolgende Video vom Makani Channel zeigt eine Makani Airborne Wind Turbine bei Start und „Arbeit“.

Makani: 50 Prozent mehr Strom

Auf der South by Southwest rückte Google mit ein paar Leistungsdaten heraus. Die „Airborne Wind Turbine“ Makani soll etwas 50 Prozent mehr Energie liefern als klassische Windkraftanlagen und das bei dem schon oben genannten 90 Prozent geringeren Materialbedarf. Damit würde Windkraft künftig wesentlich billiger zu produzieren sein.

Googles 0,6 Megawatt-Drohne

Googles Prototyp gleicht einer Drohne. Das neun Meter lange Geschoss liefert eine Leistung von immerhin 600 Kilowatt ab. Das sind etwa 20% einer stationären Windkraftanlage zu Lande von drei Megawatt.

Der Quadrocopter als Windkraftanlage

Beobachtet man die Makani Windkraftanlage beim Start von der Lkw-Rampe, dann gleicht sie einem Quadrocopter. Vier kräftige Propeller lassen die Airborne Wind Turbine abheben und Höhe gewinnen. Der Makani steigt auf bis in eine Höhe von 450 Metern. Dort herrschen günstigere Windverhältnisse. Der Wind weht kräftiger und ist vor allem weniger schwankend in Intensität und Richtung.

Die Verbindung zur Bodenstation wird über das multifunktionale Stromkabel gehalten, über welches auch der produzierte Strom den Weg zur Erde findet. Die Propeller und Motoren des Quadrocopters haben zweierlei Funktion. Während des Aufstiegs auf 450 Meter dienen sie als klassischer Propeller und liefern den Auftrieb. Auf Höhe angekommen wechseln die Motoren ihre Funktion. Sie schalten um von Antrieb auf Generatorfunktion und lassen sich nun über die Propeller vom Wind antreiben. Der so erzeugte Strom wird dann nach unten geliefert.

Pigeon Point in Pescadero

Dies ist der Leuchtturm in Pigeon Point in Kalifornien.  Die extremen Windverhältnisse in Pigeon Point dienten Google als Teststation für die fliegenden Makani  Windkraftanlagen. (#1)

Dies ist der Leuchtturm in Pigeon Point in Kalifornien. Die extremen Windverhältnisse in Pigeon Point dienten Google als Teststation für die fliegenden Makani Windkraftanlagen. (#1)

Google hat die fliegenden Windkraftanlagen ausgiebig getestet und darauf ist Astro Teller besonders stolz, denn laut seinen Angaben ist bislang noch keine der Makani Windkraftanlagen abgestürzt. Besonders harte Tests hat man in Pigeon Point in Pescadero, California gefahren. Die dortigen Windverhältnisse sind extrem, vor allem wegen ihrer Unbeeständigkeit. Oftmals wechseln die Winde ihre Stärke und die Richtung innerhalb von wenigen Sekunden.

Makani wächst auf 26m

Die erfolgreichen Tests haben Google dazu ermutigt, die Airborne Wind Turbine wachsen zu lassen. Der nächste Prototyp soll nunmehr 26m Spannweite aufweisen. Das ist ein ganzes Stück mehr, als die bisherigen fliegenden Windkraftanlagen mit einer Spannweite von nur neun Metern aufweisen.

Die Wirtschaftlichkeit von Google’s Windkraftanlagen

Makani könnte die Energierzeugung revolutionieren. Laut Google kann Windenergie nur auf etwa 15% der Erdoberfläche gewonnen werden. Makani wäre da wesentlich flächendeckender einzusetzen. Insbesondere würde Makani konventionellen Anlagen durch den wesentlich geringeren Materialbedarf Konkurrenz machen. Für Google eröffnen sich dabei Möglichkeiten, Menschen in Regionen mit Strom und Internet zu versorgen, in denen es beides bisher noch nicht gibt. Eine weitere Rolle in Googles Plänen könnte der Solardrohnen-Hersteller Titan Aerospace spielen, den Google im Jahr 2014 erwarb.

Google: Windkraftanlagen in Stavanger liefern 500 Gigawattstunden pro Jahr

Keine Windkraftanlage von Google, jedoch eine, die für Google produziert, ist die Tellenes-Windfarm südlich von Stavanger. Google hat die komplette Stromproduktion von zwölf Jahren gebucht. Das sind immerhin 500 Gigawattstunden jährlich, wie Technology Review berichtete. Die Tellenes-Windfarm setzt 50 Siemens-Turbinen zu je 3,2 Megawatt Leistung ein. Google benötigt den Strom für seine Rechenzentren. Der Betrieb von Rechenzentren mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen hat für Google oberste Priorität. Googel ist bereits seit 2007 CO2-neutral.


Bildnachweis: © Titelbild Makani, shutterstock – #1 bcw28

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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