Windenergie-auf-See-Gesetz: Offshore-Windenergie wird ausgeschrieben

Die Ausschreibungen für neue Windparks in der Nordsee und in der Ostsee sind bereits angelaufen. Ein wichtiger Aspekt für den Ausbau der Offshore Windparks stellt das Windenergie-auf-See-Gesetz dar. Aufgrund einer erheblichen Kostenreduktion ist dabei mit deutlich günstigerer Windenergie zu rechnen.

Offshore Windparks bieten viele Vorteile für die Nutzung der Windenergie

Die Windenergie spielt eine wichtige Rolle für das Erreichen der Klimaziele. Dabei handelt es sich um eine sehr umweltfreundliche Technologie, da bei der Herstellung sehr wenige Schadstoffe entstehen. Auch die Anlagen selbst lassen sich leicht entsorgen, wenn ihr Lebenszyklus beendet ist. Allerdings bringt die Windenergie auch einige Nachteile mit sich. Die großen Windräder beeinflussen das Landschaftsbild stark und außerdem kann der Lärm, den sie verursachen, Menschen und Tiere in der Umgebung belästigen.

Eine gute Alternative stellt es daher dar, sie auf See zu errichten. Fernab von allen bewohnten Gebieten stört sich niemand an der Beeinflussung des Landschaftsbildes und auch den Lärm hört hier niemand. Es kommt hinzu, dass auf See häufig starker Wind weht, was die Nutzung besonders effizient gestaltet. Das Windenergie-auf-See-Gesetz – häufig abgekürzt als WindSeeG – gibt dafür die Rahmenbedingungen vor. Es ist bereits seit 1. Januar 2017 in Kraft und sieht zahlreiche Ausschreibungen für neue Windparks vor.

Installation eines Offshore Windparks in der Nordsee. (#1)

Installation eines Offshore Windparks in der Nordsee. (#1)

Ausschreibung für neue Offshore Windparks

Das Windenergie-auf-See-Gesetz sah den Beginn der Ausschreibungen für die Offshore Windparks vor der deutschen Küste bereits für den 1. April 2017 vor. In weiteren Schritten sollen immer mehr Flächen zur Verfügung gestellt werden. Das Verfahren ist so gestaltet, dass die einzelnen Bewerber angeben müssen, zu welchem Preis sie die Energie in das Netz einspeisen können. Derjenige unter ihnen, der den günstigsten Preis nennt, erhält den Zuschlag für den Bau der Anlage. Das soll sicherstellen, dass die Windenergie zu möglichst günstigen Konditionen dem Endverbraucher zur Verfügung gestellt wird.

Experten fordern einen Ausbau der Windkraftanlagen in Nordsee und Ostsee

Offshore Windparks gelten bereits seit geraumer Zeit als eine sehr zukunftsträchtige Form der Energiegewinnung. Daher hat die Bundesregierung schon vor mehreren Jahren damit begonnen, diese Technik zu fördern. Dabei sah sie den Bau großer Anlagen in der Ostsee und in der Nordsee vor. Allerdings stellten sich diese Pläne zunächst als nicht verwirklichbar dar. Die Kosten für die Inbetriebnahme waren so hoch, dass eine wirtschaftliche Nutzung kaum möglich schien. Aus diesem Grund hat der damalige Bundesminister für Wirtschaft Sigmar Gabriel den Neubau von weiteren Anlagen drastisch reduziert. Zu diesem Zeitpunkt schien es beinahe so, als wären Offshore Windparks doch keine sinnvolle Lösung für die Energieversorgung der Zukunft und für das Erreichen der Klimaziele. Allerdings fand in diesem Bereich ein deutliches Umdenken statt:

Bereits auf einer Fachkonferenz der Unternehmensberatung PwC, die 2017 in Hamburg stattfand, kamen die Teilnehmer zu dem Ergebnis, dass die Bemühungen für den Bau dieser Anlagen wieder intensiviert werden müssen. Auch die Konferenz „Hamburg Offshore Wind 2018“ kam zu diesem Ergebnis. Die Experten im Bereich der erneuerbaren Energien forderten eine Ausweitung der Nutzung der Windenergie auf See. Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Industrievertretern sowie von mehreren norddeutschen Landesregierungen. Die offizielle Planung sieht bislang vor, dass pro Jahr Windparks gebaut werden sollen, die dazu in der Lage sind, 730 Megawatt pro Jahr zu erzeugen. Der Präsident von Wind Europe, Giles Dickson, sagte, dass Deutschland als einer der wichtigsten Märkte in ganz Europa diesen Wert auf 4 Gigawatt erhöhen müsse.

Mit solchen Fundamenten werden die Offshore Windparks auf hoher See verankert. (#2)

Mit solchen Fundamenten werden die Offshore Windparks auf hoher See verankert. (#2)

Rückläufige Preise machen Offshore Windparks attraktiver

Der Grund für das Umdenken in diesem Bereich liegt in erster Linie an einer deutlichen Kostenreduzierung für den Bau der Anlagen. Dickson erklärte, dass bei aktuellen Ausschreibungen Preise erzielt wurden, die rund 50 Prozent unter den Werten lagen, die noch vor zwei Jahren üblich waren. Das führte dazu, dass die Energie aus Offshore Windparks wieder konkurrenzfähig wurde.

Diese Entwicklung geht in erster Linie auf enorme technische Fortschritte in dieser Branche zurück. Die Turbinen sind in den letzten Jahren deutlich leistungsstärker geworden. Das ermöglicht eine günstigere Produktion. Auch die Größe der Anlagen ist angestiegen. Während der Durchschnittswert für die bestehenden Offshore Windkraftwerke 2017 noch bei 4,3 Megawatt lag, erreichten die neu eingerichteten Windparks bereits zu dieser Zeit eine Durchschnittsleistung von 5,2 Megawatt. Mittlerweile sind Anlagen mit 8 oder 10 Megawatt in Planung oder bereits im Bau. Diese Entwicklung reduziert die Kosten ebenfalls erheblich.

Windenergie-auf-See-Gesetz: Bundesamt soll Voruntersuchungen vor Ausschreibungen übernehmen

Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Ausbau der Offshore Windparks stellt das Windenergie-auf-See-Gesetz dar. Bevor ein Windpark entstehen kann, ist eine aufwendige und kostenintensive Untersuchung des entsprechenden Gebiets notwendig. Beispielsweise ist es erforderlich, den Baugrund zu untersuchen und zu überprüfen, ob sich dort gefährliches Kriegsmaterial abgelagert hat. Auch die Wind- und Strömungsverhältnisse spielen eine wichtige Rolle.

Solche Erhebungen stellen für die Unternehmen ein erhebliches Risiko dar, da es nicht absehbar ist, ob das entsprechende Gebiet für den Windpark geeignet ist. Sollte sich bei der Untersuchung herausstellen, dass dies nicht der Fall ist, war die Investition umsonst. Bislang mussten die Interessenten dafür selbst aufkommen. Das WindSeeG sieht jedoch vor, dass hierfür fortan das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zuständig ist. Das reduziert die Kosten für die Bewerber erheblich und senkt außerdem die Risiken. Das erhöht die Planungssicherheit und damit auch die Attraktivität der Projekte für die beteiligten Unternehmen.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: Nicola Pulham, – #01: Ben Grasser, – #02: Bildagentur Zoonar GmbH

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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