Windstärken von bis zu 17: Eingeknickt und umgestürzt!

Mit Windstärken von bis zu „17“ auf der Beaufort-Skala zeigte sich die Natur mit dem Orkantief Friederike von ihrer gefährlichen Seite. Über teils schwersten Schäden in über 200 Streckenabschnitten war der Zugverkehr am 18. und 19. Januar 2018 mit der Bahn durch Friederike quasi lahmgelegt. Über 300 Flüge fielen aus, doch eine selten genannte Gefahr stellen gerade Windkraftanlagen in Deutschland dar. Bei Stürmen mit hohen Windstärken sind Windräder besonders gefährdet.

Windstärken bis Stärke 17: 205 km/h auf dem Brocken

Das Orkantief Friederike zog am 18. Januar 2018 als schwerer Sturm mit Orkanböen durch die Republik. Zehn Todesopfer waren zu beklagen und der versicherte Schaden durch Friederike ist mit über einer Milliarde Euro zu beziffern. Der letzte Sturm mit ähnlichen Windstärken war der Orkan Kyrill im Jahr 2008.

Die Windgeschwindigkeiten von Friederike erreichten im Flachland bis zu 138 Stundenkilometer. In Gera-Leumnitz waren es 138 km/h, in Frankenberg-Geismar 133 km/h, in Erfurt-Weimar 130 km/h, in Leipzig/Halle 129 km/h und in Ahaus immerhin noch 127 km/h. Die Windgeschwindkeiten auf Bergen waren deutlich höher. Auf dem Brocken waren es bis zu 203 km/h, auf dem Fichtelberg noch 174 km/h, auf der Zugspitze 158 km/h, auf dem Feldberg 144 km/h und auf dem Kahlen Asten 142 km/h.

Nur niedrige Windstärken sind der Freund der Windkraft

Wind mit gemäßigter Stärke ist das Lebenselixier der Windkraftwerke. Bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten kann sich das jedoch ins Gegenteil umkehren. Dann nämlich reagieren Windkraftanlagen. Entsprechend der Windstärken setzt ab einem gewissen Level vorsorglich eine Abschaltautomatik ein. Die Blätter der Windräder werden in eine Position gefahren, welche den Winden mit hohen Windstärken möglichst wenig Widerstand entgegen stellt. Dennoch kann es bei sehr starken Stürmen und Orkanen zu Schäden an Windrädern kommen, ja sie können sogar einstürzen.

Von der Polizei Nienburg dokumentiert: Das bei hohen Windstärken umgeknickte und 70 Meter hohe Windrad in der Gemeinde Volksdorf. ( Foto: Polizei Nienburg)

Von der Polizei Nienburg dokumentiert: Das bei hohen Windstärken umgeknickte und 70 Meter hohe Windrad in der Gemeinde Volksdorf. ( Foto: Polizei Nienburg)

Im Januar 2018 erst geschah es so in der Gemeinde Volksdorf im Kreis Schaumburg in Ostwestfalen. Die dortige Windkraftanlage war außergewöhnlich hohen Windstärken ausgesetzt. Am Morgen des 3. Januar 2018 gegen 10:00 Uhr fiel ein elektronisches Steuerteil an der Windkraftanlage aus. Die Folge davon waren Defekte an weiteren Steuerungselementen. So versagte dann auch die hydraulische Bremse. Es besteht der verdacht, dass als weitere Folge an diesem Windrad die Rotorblätter nicht mehr gemäß den Windstärken ausgestellt werden konnten.

Der starke Druck des Windes sorgte schließlich dafür, dass eines der Rotorblätter zerbrach. Das 70 Meter hohe Windrad knickte dann gegen 13:30 Uhr schließlich gänzlich ein. Der gesamte Turm schlug auf die umgebende Fläche nieder. Glück im Unglück für dieses Mal: zum Zeitpunkt der hohen und für das Windrad tödlichen Windstärken befanden sich keine Menschen in der dirtekten Umgebung der Windkraftanlage.

Friederike wirft 180-Meter-Kran an Windrad-Baustelle um

In einem Stadtteil der Stadt Kirtorf im Norden des mittelhessischen Vogelsbergkreises an der Deutschen Märchenstraße kam es auf der Baustelle für den lokalen Energiepark zu einem Millionenschaden, als Sturmtief Friederike mit hohen Windstärken über das Land fegte. Ein 180 Meter hoher Baukran wurde von den Windböen erfasst und stürzte um. Über dem Energiepark brauste das Sturmtief Friederike mit Geschwindgkeiten von über 150 Kilometern ( Windstärke 14 auf der Windstärkenskala Beaufort ). Der Baukran stürzte mit gesamter Länge um. Beim Fall beschädigte der Baukran auf der Baustelle gelagerte Bauteile von Windrädern.

Auch hier hatten die Anwohner Glück im Unglück: zum Zeitpunkt des Umstürzens des Baukrans befanden sich keine Menschen am Unfallort. Das nachfolgende Video berichtet davon.

Wie hoch sind die Risiken für Windkraftwerke wirklich?

Anlässlich eines Fake-Videos äußerte sich der Sprecher der Stadtwerke OsnabrückMarco Hörmeyer – zur Standfestigkeit von Windkraftanlagen bei großen Windstärken. Er bekräftigte vor allem, dass die Windenergieanlagen in Osnabrück am Piesberg, in Wallenhorst-Hollage, in Ostercappeln-Venne und in Rieste durch das Sturmtief Friederike keinerlei Schäden erlitten haben.

Marco Hörmeyer führte wieter aus, dass moderne Windenergieanlagen nicht ohne weiteres vom Wind umgekippt werden können. Auf Windgeschwindigkeiten wie bei Friederike sind aktuelle Anlagen baulich ausgelegt. Die Fundamente der Anlagen in Osnabrück sind je 18 Meter hoch und haben ein Gewicht von immerhin 1.600 Tonnen. Auch er verwies darauf, dass Windkraftanlagen bei Windböen mit hohen Windstärken abgeschaltet und die Flügel in die sogenannte Fahnenstellung gebracht werden. Wie er ausführte, werde dadurch die auf die Windräder wirkende Windlast stark verringert werden.


Bildnachweis: © Titelbild: NASA

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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